Intendantin

Graziella Contratto

Nach ihrer Ausbildung zur Konzertpianistin widmete sie sich insbesondere der Kammermusik und der Liedbegleitung, wobei Bruno Canino, Mathias Enderle (Carmina – Quartett), György Sebök, Gérard Wyss und Kurt Widmer prägend für ihre musikalische Laufbahn waren. Ab 1991 liess sie sich unter Rudolf Kelterborn, Detlev Müller-Siemens, Horst Stein, Manfred Honeck und Ralf Weikert zur Kapellmeisterin ausbilden. In verschiedenen Kursen arbeitete sie zusätzlich mit Jorma Panula, Kirk Trevor und Tsung Yeh zusammen.

Graziella Contratto wurde 1992 als jüngste Dozentin der Schweiz für Musiktheorie an die Musikhochschule Luzern engagiert. Ausserdem leitete sie zwischen 1995 und 1999 die Konzertkonzeption der Internationalen Gesellschaft für zeitgenössische Musik IGNM Luzern. Seither hat Graziella Contratto verschiedene Uraufführungen dirigiert – so Werke von Hans Werner Henze, Andrea Scartazzini, Jörg Widmann, Matthias Heep, Thomas Demenga, Suzanne Giraud, Daniel Glet, George Gruntz, Alain Bérlaud….- und mehrere Kompositionen in Auftrag gegeben.

1998 holte sie Claudio Abbado als musikalische Assistentin an die Berliner Philharmonie, wo sie unter anderem sämtliche Konzert- und Aufnahmeprojekte der Berliner Philharmoniker betreute. Ebenfalls wirkte sie an den Osterfestspielen Salzburg mit: Herbert Wernicke, Klaus Michael Grüber und Peter Stein vermittelten ihr unvergessliche Eindrücke in ihrer Regiearbeit.

Im April 2000 ernannte das Orchestre National de Lyon ONL Graziella Contratto einstimmig aus über 80 Bewerbern zum chef résident. Sie gründete als französisches Pionierprojekt die Académie de l’ONL.

Im Juli 2002 übernahm sie die musikalische Leitung des Operncollage-Projekts „Olympische Gesänge“ im Pergamonmuseum Berlin und produzierte für Ihr Heimatdorf Schwyz zusammen mit der Regisseurin Mirella Weingarten die Tango-Oper „Maria de Buenos Aires“ von Astor Piazzolla in deutsch-italienisch-argentinischer Zusammenarbeit. Graziella Contratto dirigierte in den vergangenen Saisons an den Berliner Festwochen, am Young Artists Festival Davos, an der EXPO Hannover, am Muséiques-Festival unter Gidon Kremer, sie leitete das Tonhalle Orchester Zürich, das Orchestra sinfonica Giuseppe Verdi Mailand, das Deutsche Kammerorchester Berlin, das Orchestre National de Lyon, die Deutsche Kammerakademie Neuss, die Göttinger Sinfoniker, das Orchestre Picardie und der Basse Normandie, das Berner Symphonieorchester, die Sinfonietta der Manhattan School of Music NY und ist seit 2005 künstlerische Leiterin der Camerata Schweiz.

Von September 2002 bis Dezember 2008 war Graziella Contratto als erste Frau in Frankreich Chefdirigentin eines staatlichen Orchesters Orchestre des Pays de Savoie. Innerhalb der ersten Saison attestierte ihr die französische Presse eine besondere Originalität in der Programmwahl und eine hohe Sensibilisierung des Publikums für unbekannte und zeitgenössische Werke. Ausserdem fanden ihre Konzerteinführungen grossen Anklang. Graziella Contratto arbeitet mit Künstlerpersönlichkeiten wie Bruno Ganz, Anna Larsson, Ning Liang, Anne Gastinel, Michel Portal, Raphael Oleg, Emmanuelle Bertrand, Maria Elisabeth Lott, Lisa Larsson, Donald Littaker, Lothar Odinius und Stefan Genz zusammen.

Seit mehreren Jahren ist sie ständiger Gast bei verschiedenen Radio- und TV-sendern in der Schweiz, Frankreich und Deutschland (DRS, RSR, Harald Schmidt, France 3, Mezzo). In Bettina Ehrhardts mehrfach ausgezeichneten Filmen über Luigi Nono (Eine Kielspur im Meer) und Bobby Mc Ferrin (We Play) und Helmut Lachenmann war Graziella Contratto musikalische Beraterin. Im September 2005 wurde beim Musiksender Mezzo ein Porträt von Perrine Robert mit dem Titel „Graziella Contratto – entre grâce et maîtrise“ ausgestrahlt.

Mit dem Orchester Camerata Schweiz, dessen künstlerische Leitung sie von 2004 bis 2009 inne hatte, war sie mit dem Projekt „Im Orchester Graben“ in Zusammenarbeit mit Ursus & Nadeschkin überall in den Schweizer Medien vertreten. Die Produktion war so erfolgreich, dass eine zweite Auflage Frühjahr 2009 in Zürich erneut elf Mal aufgeführt wird. Zudem war Graziella Contratto im Sommer 2008 künstlerische Leiterin von Verdis „La Traviata“ am Opernfestival in Avenches.

2006 wurde Graziella Contratto zur neuen Intendantin des Davos Festivals gewählt und brachte seither ihre Musikprogramme äusserst erfolgreich und vom Publikum viel gelobt über die Bühne. Im August 2010 hat sie zudem die Leitung des Fachbereichs Musik an der Hochschule der Künste in Bern übernommen.

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